Immer einen Schritt voraus: „After Tarot“

Kartendecks, die an das bekannte und meist benutzte Rider-Waite-Deck angelehnt sind, gibt es zahlreiche. Fast alle bedienen sich der Symbolik dieses legendären Decks und die Illustrationen wurden zum Teil komplett übernommen. Auch gibt es bereits einen Tarot, der versucht, den Rider-Waite-Tarot aus einer ganz neuen Perspektive zu zeigen, es handelt sich hier um den  2003 erschienene  Vice-Versa-Tarot (engl.: „New Vision Tarot“); die Bilder zeigen die herkömmlichen Illustrationen von hinten und beleuchten somit die Grundbedeutungen aus einer vollkommen neuen Perspektive.

Nun ist vor Kurzem ein neues Deck erschienen: Das „After Tarot“ mag zwar für den deutschsprachigen Raum nicht unbedingt einen wohlklingenden Namen haben, doch dieses „after“ steht für nichts anderes als „danach“, „hinterher“ oder „später“. Das heißt, dass diese Karten also noch einen Schritt weiter gehen, indem sie nicht nur die herkömmliche Situation abbilden, sondern zeigen, was danach passieren könnte.[Continue Reading…]

Arthur Edward Waite und sein legendäres Kartendeck

Waite1Was hat es mit den Karten von Arthur Edward Waite  und Pamela Colman Smith (1878-1951) auf sich? Wann entstanden die mittlerweile am meisten verwendeten Tarotkarten und von wem ließen sich beide inspirieren? Hier eine kleine Exkursion… 

Arthur Edward Waite (1857 – 1942) ist Schöpfer der beliebten „Rider-Waite-Karten“, der bis heute populärsten Tarotkarten. Der gebürtige Amerikaner und esoterische Schriftsteller lebte in England, wo er vor seiner Tätigkeit beim Golden Dawn Orden  in der Theosophischen Gesellschaft tätig war. Dort übersetzte er Ende des 19. Jahrhunderts die Werke von Papus und Lévi, was ihn veranlasste, sich näher mit dem Tarot zu beschäftigen. So schloss er sich Ende des 19. Jahrhunderts dem Golden Dawn Orden an.

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Katzen und Tarot

Gatti-XVIIIMond-1Zunächst erst mal etwas über die Katze, die mittlerweile als beliebtestes Haustier gilt und dem Hund den Rang abgelaufen haben soll: Verschiedene Felsbilder belegen, dass Katzen bereits vor über Zehntausend Jahren domestiziert wurden. Der Katzenkult der alten Ägypter gibt dabei wichtige Hinweise über die Zucht von Katzen; sie sollen die beispielsweise nubische Falbkatze in ihre Behausungen mit aufgenommen und ihre Fähigkeiten und Talente genutzt haben. Dass die Katze dabei einen hohen Stellenwert hatte, belegen Ausgrabungen von Katzenbildern sowie von mumifizierten Jungtieren.

Bereits im 15. Jahrhundert v. Chr. waren Katzen vollständig domestiziert und wurden als heilige Tiere verehrt. Etwa 1100 Jahre später haben sie sich nachweislich rund um das Mittelmeer verbreitet: beispielsweise auch in den griechischen Kolonien, wo sie als nützliche Mäuse- und Rattenjäger fungierten. Von dort aus gelangten sie zu den Römern, die ihnen Schutz in ihren Häusern gewährten. Die Römer waren es übrigens auch, die den Katzen ihren heutigen Namen gaben:  Zunächst nannten sie sie „gatta“, später „cattus“  – wovon sich das heutige deutsche Wort in allen europäischen Sprachen ableitete: „Katze“ im Deutschen, „cat“ im Englischen, „gatta“ im Italienischen bzw. „gato“ im Spanischen sowie „chat“ im Französischen… Im Laufe des folgenden Jahrtausends setzten sich die Katzen als Haustiere in ganz Europa und Asien durch. Sie wurden vergöttert oder verehrt – aber auch verachtet oder getötet. Die Kirche stand den Katzen feindlich gegenüber, sie sahen in ihre Geschöpfe des Teufels, die die Pest übertrugen und Unglück brachten, besonders wenn sie schwarz waren (was übrigens ein Grund ist, dass es heute kaum noch komplett schwarze Katzen gibt, denn schließlich konnte nur ein kleiner weißer Fleck das Leben des Tieres retten); dass das Wort „Katze“ im Mittelalter entstand und sich von „Ketzer“ ableitet, ist jedoch eine weniger überzeugende Theorie.

Gatti-IVHerrscher-1Im 19. Jahrhundert sollen es unsere Samtpfoten zum Glück leichter gehabt haben: Es entstand eine regelrechte „Katzenmanie“. In wohlhabenden Kreisen entdeckte man die exotischen Katzenarten, die durch gezielte Zucht verbreitet wurden. Die ersten Katzenausstellungen wurden veranstaltet: Beispielsweise 1871 in London und 1897 in München.

In Deutschland werden etwa 8,2 Mio. Katzen als Haustiere gehalten. Das entspricht etwa 16,5% der deutschen Haushalte. Dies bedeutet auch, dass die Samtpfoten mittlerweile die beliebtesten Haustiere sind. So ist es nicht verwunderlich, dass Katzen auch im Tarot zahlreich vertreten sind. 1985 erschien das „Tarot oft he Cat People“, Kartendecks mit Katzen wie das „22 Arcani I Gatti“, das „Medieval Cat Tarot“ („Mittelalterliches Katzentarot“) oder das „Tarot der weis(s)en Katzen“  folgten bald.  Eines der berühmtesten Kartendecks mit Katzen ist das „Tarot of the Cat People“, nachstehend ein paar Beispiele:

“Barockes Böhmisches Katzentarot” von Karen Mahony und Alex Ukolov, erschienen bei Koenigsfurt-Urania.com: Wunderschöne Karten mit der Kulisse von Prag…. Nicht nur ein „Must Have“ für Tarot-Fans – auch Katzenliebhaber dürften ihre wahre Freude haben!

BoehmischesKatzentarot-20Gericiht-11BoehmischesKatzentarot-AssSchwerter-11

“Tarot of the Cat People” von Karen Kuykendall, erschienen bei U.S. Games Inc: Diese Karten entstanden in der Hippie-Zeit und entsprechend sind die Karten illustriert. Teilweise sehr witzig und originell:

CatPeople-5Muenzen-11 (1) CatPeople-8Staebe-11

“Tarot der weis(s)en Katzen” von Severino Baraldi, erschienen bei Koenigsfurt-Urania.com: Angelehnt an die weit verbreiteten Tarotkarten von Arthur Waite und deshalb nicht so originell wie die o.g. Decks:

WeisseKatzen-8Kraft-12WeisseKatzen-AssKelche-11

 

Bei den Karten in schwarzweiß handelt es sich um den „I Gatti“ Tarot von Osvaldo Menegazzi, der in Italien in limitierter Auflage erschienen ist.

Der Lenormand-Tarot

lenta2Mit den traditionellen Lenormand-Karten hat dieses Deck nicht viel zu tun, denn es handelt sich in erster Linie um ein Tarot, das lediglich das Flair der Lenormandkarten einfängt und thematisiert. Für Verwirrung hat es bislang trotzdem ständig gesorgt, denn explizit Laien verwechseln traditionelle Wahrsagekarten sehr häufig mit dem Tarot. Das tut jedoch der Beliebtheit dieser Karten keinen Abbruch, ganz im Gegenteil – für viele ist es sogar erfreulich, ein Deck zu finden, dass  (zumindest auf dem ersten Blick) beide Kartendecks “vereint”.

Für mich persönlich ist dieses Lenormand-Tarot nicht nur aufgrund seines ästhetischen Anspruchs sehr reizvoll, sondern inhaltlich sehr interessant und aufschlussreich: Keines der einzelnen Bilder auf den Karten steht nur für sich alleine, vielmehr scheinen sich Szenen und Personen sehr häufig zu wiederholen. Die erste “Story” innerhalb der 78 Lenormand-Tarotkarten findet sich beispielsweise hier, es handelt sich hier um die Geschichte zweier Liebender, die sowohl vorwärts als auch rückwärts gelesen werden kann:

Lenormandtarot1

Bei einer weiteren Person, die mehrmals in diesem Deck auftaucht, handelt es sich offensichtlich um eine eher tragische Figur, die den drakonischen Strafmaßnahmen während der Zeit der französischen Revolution zum Opfer fiel:

LenormandTarot2

Fazit:  Es handelt sich hier um ein Tarot-Kartendeck, das sich nicht an die überlieferten Sinnbilder und Illustrationen hält, dem Kartenleger aber dafür mehr Raum für eigene Assoziationen lässt – und dies auch erfordert. Sehr empfehlenswert.

Tarot und Weisheit der Mayas

Xultun-8Schwerter-1Auf den ersten Blick mag eine Verbindung des Tarot mit der alten Kultur der Mayas widersprüchlich erscheinen. Bei näherer Betrachtung wird man jedoch feststellen, dass sich beide Systeme hervorragend ergänzen.

Die Maya werden heute als hoch entwickelte Kultur verstanden, eine Kultur, die die Wissenschaft der Zahlen zu ungeahnten Höhen bringen konnte. Sie verstanden die Zeit nicht – wie wir es heute tun – als lineares Muster oder als etwas, was auf Kausalität basiert, sondern als rhythmisch wechselnde Zyklen, die durch bestimmte Qualitäten gekennzeichnet sind. Für die Mayas war die Zeit also ein fixes Grundmuster mit pulsierenden Zeitenergien. Die Geschichte stellte für sei eine Reihe von Wiederholungen dar, der sich über viele Millionen Jahre erstreckt. So soll beispielsweise noch eine Maya-Schrift existieren, die in den Berechnungen sage und schreibe vierhundert Millionen Jahre in die Vergangenheit zurückgreift. Die heutige Wissenschaft ist davon überzeugt, dass dies eine außergewöhnliche Leistung für ein so genanntes „Steinvolk“ war. Dass die Mayas jedoch bei weitem mehr beherrschten als das Modellieren von Tonköpfen, sie uns vielleicht sogar auch überlegen waren, beweisen unter anderem deren exakte astronomische Berechnungen. So konnten sie die Umdrehungen der Erde um die Sonne mit genau 365,2420 Tagen angeben – eine Berechnung, die so gut wie exakt ist, da sie nur um zwei Zehntausendstel von der Zeitberechnung des heutigen Gregorianischen Kalenders abweicht.

Der Maya-Kalender

Xultun-DasSchicksalsrad-1Der Maya-Kalender verfügt über 20 Maya-Archetypen (auch „Siegel“ genannt), die alle Energien und dahinter stehenden Myriaden von Wesenheiten symbolisieren sollen, die für unser gesamtes Universum zuständig sind. Er berechnet sich außerdem durch 13 „Töne der Schöpfung“. Multipliziert man diese 20 Siegel mit den 13 Tönen, dann erhält man einen Zeitraum von 260 Tagen – übrigens auch die exakte Dauer einer Schwangerschaft! –, der dem 260-Tage-Kalender der Mayas, dem sog. „Tzolkin“ entspricht. Auch astrologisch gesehen ergeben sich frappierende Übereinstimmungen, doch weitere Erklärungen über den  faszinierenden Maya-Kalenders würden hier den Rahm sprengen, deshalb möchte ich mich primär auf das Tarotdeck, welches Tarot und die Kultur der Mayas vereint, beschränken:

Entworfen wurde der „Xultun-Tarot“ in den Achtziger Jahren von dem Amerikaner Peter Balin, der als Erster versuchte, die Philosophie des Tarots und des Schamanismus zu verknüpfen. Herausgekommen ist dabei ein indianisches Deck, das teilweise r stark an das Deck von Arthur Waite erinnert (explizit die Karten der kleinen Arkana). Anhand der Begleitliteratur lässt sich feststellen, dass sich Peter Balin sehr gut mit der Mythologie und dem Tzolkin der Mayas auszukennen scheint: die 20 archetypischen Siegel bringt er zum Teil mit den 22 hohen Arkana in Verbindung – denn auch hier gibt es Parallelen in den einzelnen Stationen innerhalb der Reise des Narren – sowie mit der Numerologie und der Astrologie. Sehen wir uns einige Kartenbeispiele an:

„Der Kaktus“

Xultun-DerKaktus-2Der Kaktus“ mag als Tarotkarte auf dem ersten Blick etwas merkwürdig anmuten, denn dieser stachelige Geselle auf der Fensterbank hat in unserer Kultur keine besondere Bedeutung. Anders bei den Mayas. Der Kaktus trägt die Zahl Acht (in der Maya-Numerologie durch einen Strich und 3 Punkte dargestellt) und entspricht „unserer“ Karte Kraft. Der Kaktus steht in ihrer Kultur für die Überwindung des Todes. Durch seine Stacheln und die Fähigkeit, Wasser zu speichern, symbolisiert er Lebenskraft, Stärke und Ausdauer; des weiteren blüht er, was eine gewisse Reife sowie einen natürlichen Zyklus anzeigt. Der Kaktus bzw. die Kraft entspricht dem Maya-Siegel „Man-Ik“. Auch dieses Siegel steht für die Überwindung des Todes sowie einer Standfestigkeit, die uns die Fähigkeit, Schwierigkeiten zu überwinden, verleiht. Manik bzw. Man-Ik symbolisiert außerdem Heilung und Vervollkommnung.

„Der gebundene Mensch“

Xultun-Verhaftung-2Der Teufel heißt im Maya-Tarot „Der gebundene Mensch“ und zeigt ebenfalls Verhaftung an der Materie sowie Abhängigkeiten an. In dieser Karte liegt die Versuchung verborgen, menschlichen Würde zugunsten von Profit zu vernachlässigen. Außerdem steht diese Karte für Geburt und Tod gleichermaßen, denn Aufgabe des „gebundenen Menschen“ ist auch, die Verbindung zur materiellen Existenz auf das Notwendigste zu beschränken bzw. gar zu überwinden. Die Karte entspricht dem Siegel „Ix“. Ix verkörpert ebenso Leben und Sterben, denn es symbolisiert sowohl die Magie des (materiellen) Schöpfertums als
auch den Quantensprung in eine andere Dimension.

„Planet Erde“

Xulturn-Welt-2Die Welt entspricht im Xultun-Tarot der Karte „Planet Erde“. Diese Karte zeigt „die Integration des Ratsuchenden innerhalb der Schöpfung“ (Peter Balin) auf – ähnlich wie die Bedeutung der Welt im Rider-Waite-Deck, die ebenfalls anzeigt, dass man „seinen Platz“ auf dieser Welt gefunden hat. „Planet Erde“ wird dem Siegel „Ahau“ zugeordnet. In Ahau sind Alpha und Omega, Anfang und Ende, gleichermaßen vorhanden. Ahau symbolisiert auch die gelbe Sonne als strahlendes Zentrum. Da wir laut der Maya-Philosophie in unserer Entwicklung in Richtung „Sonnenwesen“ unterwegs sind, bekommt dieses Siegel als eine Art „Sammelstelle“ ein besonderes Gewicht.

 

Mein Fazit lautet also: Es handelt sich hier mal ein etwas anderes Tarot, auf dem ersten Blick kompliziert und fremd, doch dafür voller Symbolik und obendrein ein Leckerbissen für Tarot-Jäger und –Sammler. ☺

Der Xultun-Tarot (erschienen bei Arcana Publishing & Co., USA) von Peter Balin sowie das dazugehörige Buch „Der Flug der gefiederten Schlange“ (deutsche Ausgabe, Sphinx-Verlag) sind im Moment leider vergriffen, aber im Antiquariat erhältlich. Die verschiedenen Angebote sollte man jedoch prüfen und vergleichen, denn die Preisunterschiede können hier enorm sein, sie schwanken nämlich zwischen „normalen“ Verkaufspreisen für gebrauchte Kartendecks und Liebhaber-bzw. Raritätenpreise im dreistelligen Bereich. 

 

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