Immer einen Schritt voraus: „After Tarot“

Kartendecks, die an das bekannte und meist benutzte Rider-Waite-Deck angelehnt sind, gibt es zahlreiche. Fast alle bedienen sich der Symbolik dieses legendären Decks und die Illustrationen wurden zum Teil komplett übernommen. Auch gibt es bereits einen Tarot, der versucht, den Rider-Waite-Tarot aus einer ganz neuen Perspektive zu zeigen, es handelt sich hier um den  2003 erschienene  Vice-Versa-Tarot (engl.: „New Vision Tarot“); die Bilder zeigen die herkömmlichen Illustrationen von hinten und beleuchten somit die Grundbedeutungen aus einer vollkommen neuen Perspektive.

Nun ist vor Kurzem ein neues Deck erschienen: Das „After Tarot“ mag zwar für den deutschsprachigen Raum nicht unbedingt einen wohlklingenden Namen haben, doch dieses „after“ steht für nichts anderes als „danach“, „hinterher“ oder „später“. Das heißt, dass diese Karten also noch einen Schritt weiter gehen, indem sie nicht nur die herkömmliche Situation abbilden, sondern zeigen, was danach passieren könnte.

Der Blickwinkel wurde um also einige Momente in die Zukunft verschoben. Was macht also der Magier, nachdem er sich hinter seinen Tisch gestellt und mit Stab in der Hand posiert hat? Das „After Tarot“ hat hierzu eine Vision: Eine Taube setzt sich auf dem Tisch, wo der Magier vorher Stab, Kelch, Schwert und Münze platziert hatte; gleichzeitig gelingt es dem Magier, jene vier Gegenstände auf dem Tisch, die gleichzeitig die vier Elemente verkörpern, in Bewegung zu setzen.

Oder was könnte die Frau auf der Karte „Kraft“ (VIII) tun, nachdem es ihr gelungen ist, das wilde Raubtier zu bändigen? Im „After Tarot“ umarmt sie das Tier liebevoll, während sich der Löwe gleichzeitig entspannt und verschmust an sie schmiegt. Passiert vielleicht auch etwas mit dem Herrn auf den „Vier der Münzen“, nachdem er sich zu lange an seinen Reichtum geklammert hat? Ja, er muss sich ein paar Momente später mit der Vergänglichkeit auseinandersetzen. Und der Gehängte? Muss er ewig baumeln oder hilft ihm jemand?

Das „After Tarot“ entstand in einer Gemeinschaftsarbeit von Pietro Alligo, Corrine Kenner und Giulia F. Massaglia. Pietro Alligo und Guila F. Massaglia haben sich in der Tarotwelt bereits  gemeinsam qualifiziert – sie sind nicht nur Schöpfer zahlreicher Tarotdecks, sondern auch der Erfinder des eingangs erwähnten „Vice Versa Tarots“. Corinne Kenner ist eine amerikanische Tarot-Autorin, die bereits zahlreiche Bücher zum Thema Tarot veröffentlicht hat.

Leider ist das Booklet des „After Tarots“ nicht allzu aufschlussreich oder erhellend. Das liegt möglicherweise daran, dass die deutsche Übersetzung mehr schlecht als recht ist, denn es scheint so, als wäre die spanische oder italienische Beschreibung wortwörtlich  ins Deutsche übernommen worden, was sich mitunter recht holprig anhört. Doch dafür sind die Illustrationen des Decks aufschlussreich und inspirierend genug. Erschienen ist das „After Tarot“ – wo sonst – bei Lo Scarabeo.

 

Karten: Copyright by Lo Scarabeo /  Text: Copyright by Tarotpedia. 

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