Lernen mit dem Tarot

8Muenzen„Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“ – ein Sprichwort aus dem Volksmund, das heute nur noch bedingt seine Richtigkeit hat. Kinder lernen einfacher und schneller, so viel ist sicher, doch wir als Erwachsene befinden uns mittlerweile im Zeitalter des lebenslangen Lernens. So sind wir beispielsweise im Alltag auf sämtliche Technologien angewiesen, die sich ständig ändern. Noch mehr Lernbereitschaft erfordert das moderne Wirtschaftsleben, was sich in den betreffenden Berufen in Industrie, Handel oder Medien bemerkbar macht. Kein Jahr vergeht ohne neue Programme oder Tools; hinzu kommen ständig steigende Anforderungen, neue Software-Programme, neue Gesetze oder Änderungen im Steuer-, Arbeits- oder Wirtschaftsrecht.  Im Rahmen der Globalisierung zeichnet sich bereits jetzt schon ab: eine einzige Fremdsprache fließend in Wort und Schrift zu beherrschen, reicht nicht mehr aus, wenn man Karriere machen möchte. Wer neue Märkte erschließen will, darf sich nicht mit dem Schulenglisch abfinden, sondern wird am besten mehrsprachig.  Um fit für den Markt zu sein, werden wir möglicherweise mit weiteren, vielleicht auch ganz neuen Anforderungen konfrontiert werden…

Ich muss zugeben: der Bereich „Lernen“ ein  spannendes Thema, auch wenn es uns in der modernen Welt arg herausfordert. Ohne dass es uns allzu sehr bewusst gewesen ist, hat sich die heutige westliche Welt in den letzten Jahren ohnehin als geistig sehr anpassungsfähig erwiesen und hat einen beachten Quantensprung besonders im Bereich der Informationstechnologie gemacht. Was vor 20 Jahren noch undenkbar war, ist mittlerweile Realität. So nimmt es auch kein Wunder, wenn auch der Tarot in diesem Bereich konsultiert wird.

Doch bevor wir zum Thema „Lernen mithilfe des Tarots“ kommen, möchte ich näher auf das Lernen eingehen. Egal was man sich aneignen oder wie man sein Gehirn fit halten möchte – man sollte sich darüber im Klaren sein, welcher „Lerntyp“ man ist.

VDerHierophantZunächst lassen sich verschiedenen Lernweisen auch in den unterschiedlichen Kulturen feststellen:

Je östlicher das Land – so meine Beobachtung -, desto mehr sind die Menschen gewohnt, nach einer festen Struktur bzw. nach Regeln zu lernen. Bei den Fremdsprachen ist es dann beispielsweise Grammatik, die eine große Rolle spielt. Natürlich lässt sich das auch auf das Kartenlegen übertragen: Grammatische Regeln bzw. feste Bedeutungen  scheinen den Menschen eine Art Sicherheit zu geben, an der sie sich orientieren können. Frei in der neu gelernten Sprache zu sprechen bzw. frei die Karten zu interpretieren macht ihnen nicht selten Angst, auch wenn sie Tests und Prüfungen fast fehlerfrei bestehen und im theoretischen Wissen glänzen.

Ganz anders verhält es sich in Südeuropa. Je wärmer der Breitengrad, umso weniger interessieren sich die Lernenden  für ein Regelwerk oder Theoretisches. Sie wollen gleich kommunizieren, egal, ob der andere sie komplett versteht oder nicht. Das gilt natürlich auch für den Tarot: Warum alles lernen, wenn man doch die Bilder vor den Augen hat? Außerdem: es gibt nicht nur Mund und Stimme zum kommunizieren, sondern auch Hände und Füße? Grammatikregeln langweilen sie sehr schnell, außerdem ist das zu theoretisch.

Es versteht sich von selbst, dass es nicht die richtige Lernmethode gibt, sondern alles eine Frage der richtigen „Dosis“ ist. Beide Lernarten werden benötigt, beide haben auch Vor- und Nachteile. Deutschland ist meiner Beobachtung nach hier tatsächlich in einer „goldenen Mitte“ angesiedelt (auch wenn man hierzulande bei weitem nicht über so viel Kreativität und Experimentierfreude verfügt wie in Großbritannien oder in den USA, aber das ist wieder ein anderes Thema). Grammatik hat bei den Deutschen genauso Gültigkeit wie die sprachliche Versiertheit, obwohl es natürlich zusätzlich noch vom einzelnen Menschen abhängt, ob jemand lieber strukturiert lernt oder sich das Neue durch Ausprobieren oder Improvisieren aneignet.

Wie lernen wir am besten?

01-MagierHier sind wir gleich beim nächsten, eigentlich wichtigsten Thema. Welcher Lerntyp  – strukturiert oder eher praxisorientiert –  lässt sich anhand eines einfachen Gedankengangs feststellen:

Stellen Sie sich vor, sie besuchen eine Großstadt, die Sie noch nicht kennen bzw. in der Sie noch nie waren. London, Paris, Rom, New York, Mexiko City oder irgendeine andere Stadt Ihrer Wahl….  Sie sind nun gerade vom Flughafen zum Hotel gelangt und stellen endlich Ihre Koffer im Hotelzimmer ab. Was tun Sie als nächstes? Nehmen Sie einen Stadtplan und suchen Sie die Orte aus, die Sie besuchen möchten und über die Sie sich vielleicht schon im Vorfeld mittels Reiseführer oder Internet schlau gemacht haben? Oder nehmen Sie sich aufs Geratewohl ein Taxi oder eine U-Bahn und klappern die Stadt einfach ohne Plan ab?

Falls Sie sich genauestens einen Plan gemacht haben und nun versuchen, diesen sorgfältig zu realisieren, dann sind Sie der Mensch, der Struktur und Regeln braucht, um sich etwas einzuprägen. Ist Ihnen dieses Verhalten hingegen fremd, weil Sie es vielmehr bevorzugen, die Stadt buchstäblich zu erleben, egal an welcher U-Bahn-Station Sie ein- oder aussteigen – dann sind Sie die Sorte Mensch, die nicht durch Regeln, sondern durch Ausprobieren lernt.

Des Weiteren unterscheiden Wissenschaftler nun auch zwischen vier Lerntypen, bei denen es auch um unsere Sinne geht. Beachteten Sie bitte: Man ist nie nur ein Lerntyp, sondern ein „Mischtyp“, wobei ein oder zwei Typen fast immer dominieren.

  • Der visuelle Lerntyp: Er kann sich den Lernstoff am besten durch Gesehenes einprägen. Geschriebenes an der Tafel oder Powerpoint-Folien helfen ihm sehr. Bei mündlichen Erklärungen fällt es ihm oft schwer, das Gehörte zu behalten. Bilder und Farben helfen ihm mehr als Klangeffekte oder Poesie. Das visuelle Lernen soll übrigens bei den meisten Menschen überwiegen, man schätzt sie auf 70 bis 80%, die das Lernen durch Optik bevorzugen.
  • Der auditive Lerntyp: Wie der Name schon verrät, prägt er sich Neues am besten durch gesprochene Worte ein. Ein spannend gehaltener Vortrag – am besten noch mit einer angenehmen Stimme – gibt ihm wesentlich mehr als bunte Bilder und viel Geschriebenes. Mündliche Aufgaben liegen ihm. Bei Sprachen reicht meist oft das ein- oder zweimalige Hören, um sich etwas zu merken. Er lernt am besten, wenn er sich Sätze laut vorsagt oder „Selbstgespräche“ führt.
  • Der motorische Lerntyp fasst am besten auf, wenn er Dinge anfassen oder selbst durchführen kann. „Learning by doing“ ist hier die Devise. Er muss mit dem Lernstoff „spielen“, deshalb eignen sich auch Rollenspiele sehr gut. Ein Merkmal ist übrigens auch, dass er sich beim Lernen bewegen muss – nicht selten kommen ihm beim Spazierengehen oder während des Sports die besten Ideen.
  • Der kommunikative Lerntyp braucht, wie die Bezeichnung schon verrät, Kommunikation und gegenseitigen Austausch. Er lernt nicht gern allein und sie brauchen den Dialog – dabei spielt es keine Rolle, ob der Kontrahent ihnen zustimmt oder widerspricht, der Austausch führt ans Ziel. Ratespiele machen ihm sehr viel Spaß. Im Berufsleben fallen diese Menschen dadurch auf, dass sie die neuen Handbücher nicht gerne allein lesen, sondern diese mit den Kollegen gern gemeinsam durchgehen.

Im Internet gibt es zahlreiche Tests, um den eigenen Lernyp zu testen, deshalb möchte ich nicht weiter darauf eingehen. Vielmehr geht es mir nun um die Frage: Was hat das alles mit Tarot zu tun?

Lernen und die Archetypen des Tarots

Um ehrlich zu sein, habe ich noch nie versucht, mittels Karten den richtigen „Lerntyp“ herauszufinden, denn mir erscheint die Bildersprache hier zu abstrakt; außerdem stellen die Menschen ohnehin oft von selbst fest, wie sie am besten lernen. Die modernen Lehrbücher sind so konzipiert, dass sie auf alle vier Lerntypen passen – häufig ist das Augenmerk auf den visuellen Typ gerichtet, denn davon gibt es am meisten. Des Weiteren hängt es nicht selten vom Lernstoff ab, wenn es darum geht, sich der richtigen Lernmethode zuzuwenden (Mathematik ließ sich für mich nie intuitiv erfassen, Sprachen hingegen schon).  Ich glaube auch, dass sich die Astrologie besser eignet, wenn es um das Erkundung der Sinne geht, explizit die vedische (indische) Astrologie. Ich bin aber auch der Ansicht, dass der Tarot auf andere Art und Weise die Lernmethode spezifizieren kann –  er beschreibt mehr die Vorgehensweise des Lernens.

Eines ist dabei jedoch zu beachten: Die Karten beschreiben immer eine temporäre Situation, nichts Festes. Ist man beispielsweise in erster Linie jener Typ, der in erster Linie durch Ausprobieren und Experimentieren lernt, kann dennoch eine Karte erscheinen, die das exakt zum Gegenteil rät und dem Ratsuchenden empfiehlt, sich an Regeln zu orientieren, wenn es die gegenwärtige Situation erfordert. Und so könnten sich die Karten beispielsweise mitteilen  – abschließend ein paar Beispiele:

Der Magier (I) beschreibt nicht, ob der Mensch visuell, auditiv, motorisch oder kommunikativ am besten lernt;  er sagt „nur“, dass der Betroffene seine vorhandenen Ressourcen – unabhängig davon, ob es viel oder wenig Ressourcen sind – hervorragend einsetzen kann. Er wird die Situation meistern, egal wie  – entweder durch richtiges Können oder durch Bluffen…. Nicht umsonst wird der Magier in alten Kartenspielen als der „Gaukler“ bezeichnet.

Die Hohepriesterin (II) verrät zwar genauso wenig, welcher Lerntyp man ist, aber sie sagt uns zumindest, dass der Betroffene auf eine intuitive Weise erfasst – also weniger durch Struktur. Bleiben Sie also ruhig und gelassen, wenn diese Karte in Ihrer Legung auftaucht. Suchen Sie das Wissen im Inneren und verlassen Sie sich auf das Gespür. Bei Sprachbegabten ist dieser Vorgehensweise nicht selten zu finden.

Die Herrscherin (III) lernt durch Kreativität und Wachstum. Sie muss selbst tätig werden und ausprobieren. Wie der „Hohenpriesterin“ liegen ihr Regeln weniger.

Der Herrscher (IV) ist die Karte der Regeln und der Ordnung – und so viel verrät auch der Herrscher, wenn er in einer Legung erscheint, in der es um das Lernen geht: Er braucht Struktur, klare Vorgehensweise und einen roten Faden – unabhängig davon, welcher Lerntyp man im Wirklichkeit ist.

Der Hierophant (V) ist eigentlich die Lern- bzw. „Erziehungs-„Karte par excellence. Sie rät dem Fragenden, einfach fleißig zu sein und vor allen Dingen Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu haben.Möglich ist auch, dass Sie einem Lehrer oder Vorbild folgen sollten.

Die Liebenden (VI) raten, auf das Gefühl zu hören, besonders wenn man zwischen den Fronten zu sitzen scheint und sich zu keiner Entscheidung durchringen kann. Es geht hier darum, auf das Herz zu hören und sich vom guten Gefühl leiten zu lassen.

– Erscheint Der Wagen (VII), dann sollte der Betroffene nicht allzu lange zaudern und zögern, sondern die Dinge endlich mal anpacken. Die Karte kann auch erscheinen, wenn es darum geht, Neuland zu betreten und Dinge zu lernen, die bislang unbekannt waren. Dann ist diese Karte als guter Ratschlag zu verstehen, sich zu trauen.

– Lernen durch Abwägen und die innere Balance zu halten – das sagt die Karte Die Gerechigkeit (VIII / XI). Diese Karte kann aber auch darauf hinweisen, dass man am besten lernt, wenn man Vergleiche zieht.

– Sie sind vielleicht nicht der geborene Autodidakt, aber dennoch rät Ihnen Der Eremit (IX), die Dinge im Alleingang durchzuziehen. Erscheint diese Karte, dann sind Sie gefordert, sich zurückzuziehen und sich von anderen abzuschirmen, um sich auf das Lernziel konzentrieren zu können. Der Eremit kann aber auch sagen, dass Sie sich bezüglich des Lernziels von anderen nichts einreden lassen sollten – folgen Sie Ihren Ideen und Visionen, auch wenn Sie ganz alleine sind.

Das Schicksalsrad (X) sagt Ihnen, dass es sich um ein Lernthema größeren Ausmaßes handelt. Es ist nicht auszuschließen, dass Sie der Lernstoff noch länger verfolgt. Oder es geht um etwas Entscheidendes. Möglicherweise haben Sie beim Lernen nicht alles in der Hand und manche Dinge gehen wie von selbst ihren Gang… Bleiben Sie dran, denn diese Karte sagt, dass das Thema wichtiger ist als es erscheint.

Im nächsten Beitrag geht es mit anderen Karten weiter.

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