Zum Tode von Guido Westerwelle

westerwelle864-dpaBetroffen gemacht hat mich die Nachricht sehr – dennoch hat sie mich keinesfalls überrascht. Zu hartnäckig war das Schweigen um ihn, seit er Anfang Dezember einen Fernsehauftritt kurzfristig und offiziell wegen Medikamentenumstellung absagen musste. Hier ein kleines astrologisches und politisches Profil. 

Die Nachricht von seinem Tod löste eine Welle der Beileidsbekundungen sowohl im In- als auch im Ausland aus. Doch Westerwelle galt nicht nur als begnadeter Redner, sondern auch als skurriler Politiker, der entsprechend viel Spott und Häme aushalten durfte. Innerhalb de Politik fühlten sich viele befugt, ihn einfach anzugreifen., denn er sei leicht zu diffamieren gewesen, so ein Kommentar in der „Welt“, weil er störte, als der politische Mainstream nach links rückte. So auch meine Einschätzung.

Schon früh habe ich während meiner Astrologie-Ausbildung gelernt, nicht unbedingt dem Charakter einer prominenten Persönlichkeit im Horoskop zu suchen, sondern mich in erster Linie auf das öffentliche Wirken und die Taten zu konzentrieren. Alles andere grenzt an Spekulation. Doch dank Westerwelle selbst konnte man explizit in den letzten Monaten Einblick in den „echten“ Menschen Westerwelle gewinnen. In Interviews zeigte sich ungewohnt offen, geläutert von der Krankheit und dabei ohne jeglichen Groll oder Verbitterung darüber, was ihm das Schicksal angetan hatte. So auch sein letztes Buch „Zwischen zwei Leben„, das er ursprünglich als Tagebuch begonnen hatte, doch dann als Buch fortführte, um seine Krankheit seelisch aufzuarbeiten. Er gewährte dabei Einblick in sein Privatleben, was auch bei der Horoskopinterpretation von Vorteil war. Wolfgang Kubicki, stellvertretender Vorsitzender bezeichnete Westerwelle vor wenigen Tagen als „unglaublich sensiblen und fürsorglichen Menschen“, der sich privat ganz anders zeigte als wie er in der Öffentlichkeit auftrat. Das macht Sinn, wenn man sich die Eindrücke der letzten Interviews vergegenwärtigt und auch sein Horoskop betrachtet. Doch zugegeben muss man nach der sensiblen Seite im Horoskop ein wenig suchen, in erster Linie Sehen wir uns sein Geburtsradix an:

Westerwelle

Karrieremensch mit Kampfgeist und rhetorischen Fähigkeiten

Guido Westerwelle wurde am 27. Dezember 1961 um 12.33 Uhr in Bad Honnef geboren. Was mir persönlich an seinem Horoskop sofort auffällt: das Horoskop kennzeichnet einen Karrieremenschen mit Kampfgeist und einer starken Leistungsbereitschaft. So befinden Sonne, Mars und Mond stehen alle im Steinbock am Medium Coeli. Die Sonne, die die Selbstentfaltung im Horoskop eines Menschen anzeigt, befindet sich sogar exakt am MC, der für den Beruf und Karriere steht. Noch vor rund 200 Jahren war dies ein begehrter Aspekt und auch ein Grund, warum man manchen Prominenten nachsagte (z.B Johann Wolfgang von Goethe), sie würden bei der Angabe ihrer exakten Geburtszeit ein bisschen schummeln. Denn um die Mittagszeit geboren, steht die Sonne am MC oder im 10. Haus und war früher ein klassischer Aspekt für Erfolg im Beruf oder sogar Ruhm, so dass sich manche ihre Geburtszeit selbst korrigierten. Die guten rhetorischen Fähigkeiten, die man Westerwelle  nachsagte, werden nicht nur durch Merkur im 10. Haus angezeigt (für mich ist der Merkur an dieser Position vielmehr ein Hinweis auf das Bedürfnis, gehört zu werden bzw. etwas vermitteln zu wollen), sondern auch das Trigon zum Planeten-„Package“ im 6. Haus, explizit zum Mond. Hier wird angezeigt, dass Bewusstsein und Autoritätsgefühl (Sonne) im Einklang mit Emotionen bzw. dem Seelischen (Mond) steht (zu den Planeten im 6. Haus werde ich im 2. Teil später mehr erwähnen). Auffallend ist auch der Mars, der auch eine Konjunktion zum MC bildet – wenn auch nicht so eng wie die Sonne – und somit auch die Bereitschaft anzeigt, für das persönliche Anliegen oder die Karriere mutig einzutreten und auch zu kämpfen. Mars wirkt dabei wie ein „Verstärker“ auf Sonne und Venus. Guido Westerwelle war also ein Kämpfer und von Motiviation angetrieben – sowohl im Wesen (Sonne), im Beruf (MC) und in seinen sozialen Kontakten (Venus).

Quer denkendes Arbeitstier

Bevor ich zur wichtigen Planetenballung im 6. Haus komme, möchte ich etwas Wichtiges natürlich nicht unterschlagen, nämlich den Aszendenten. Dieser steht im Widder und dies dürfte angesichts den forschen Auftretens, das man Westerwelle immer nachsagte, kaum eine Überraschung sein. Doch in den letzten Monaten seines Lebens erlebte man einen nachdenklichen, selbstkritischen Westerwelle. Er sei beispielsweise zu pflichtbewusst gewesen, meinte er, aber auch „zu forsch, weil ich oft unsicher war“. Dies zeigt, dass der Aszendent nicht immer der „Motor des Lebens“ und somit der wichtigste Punkt im Horoskop ist, wie manche Astrologen glauben, sondern eine Art Maske bzw. „Aushängeschild“ ist. Der Aszendent beschreibt also eher, wie der Betroffene von seiner Umwelt wahrgenommen werden möchte. Das Bild des energisch auftretenden Politikers Westerwelle, hinter dessen kämpferischen Fassade ein ein durch und durch geerdeter, fleißiger und hoch motivierter Mann stand, passt also ganz gut.

Das 6. Haus ist in seinem Horoskop stark besetzt und das von bestimmten „Powerplaneten“. Da ist beispielsweise Pluto, der für Fleiß und einer großen Ausdauer steht, aber auch für die Bereitschaft, im Arbeitsalltag voll und ganz aufzugehen. Halbherzige Sachen gibt es bei Pluto im 6. Haus nicht. Ebenso kann man Pluto in diesem Haus große Einfluss- und Suggestivkraft zuschreiben. In seinem Wirken war Westerwelle einflussreich am Arbeitsplatz – nicht zu verwechseln mit der Öffentlichkeit, denn mit „Arbeitsplatz“ ist ausschließlich das nähere Umfeld gemeint, in dem er sich beruflich bewegt hat, also Parteikollegen etc. So nimmt es nicht Wunder, dass er bereits mit 39 Jahren Parteichef und mit 40 Kanzlerkandidat wurde (doch zu seinen beruflichen Stationen in Verbindung mit den astrologischen Transiten, die gewisse Themen erst auslösten, mehr im 2. Teil).

Auch Uranus befindet sich in Westerwelles 6. Haus, in der Nähe zu Pluto handelt es sich hier um einen Aspekt, von dem die Generation der in de 60er Jahren Geborenen betroffen ist. Hier trifft Leidenschaft auf Unangepasstheit bzw. Tiefgründigkeit auf Verrücktheit. Dabei fallen spontan die  originellen und manchmal befremdlichen Ideen Westerwelles ein, die er beispielsweise im Wahlkampf einsetzte: sein „Guidomobil“ im „Projekt 18“, mit dem er auf Volksfesten oder in McDonalds-Filialen auftrat. Tatsächlich konnte die FDP durch diesenWahlkampf keine 18%, aber dennoch 13,3% erreichen.

Auch der Mond, ein Himmelskörper, der in der Astrologie als sehr individueller Faktor gewichtet wird, spielt in diesem Szenario eine Rolle. Da der Mond für die seelischen Bedürfnisse steht, beschreibt er hier einen inneren Drang, zu arbeiten und sich intensiv im Arbeitsleben einzubringen. Ein Schatten dieser Konstellation wäre, dass sich der Betroffene in der Arbeitswelt zu sehr ausnützen lasst – und dies immer in der Bemühung, stets alles richtig und gut zu machen – und auch eine gewisse Angst vor Zurückweisung hat.

Homosexualität

Ich vermeide normalerweise Themen wie diese, weil sie etwas Persönliches sind und ich außerdem nicht in Sachen rumstochern will, die mittlerweile ohnehn als normal betrachtet werden. Es gibt meines Erachtens jedoch mehrere „homosexuelle Aspekte“ im Horoskop, die mir schon mehrmals aufgefallen sind und die ich deshalb an dieser Stelle erörtern möchte. Ich möchte auch noch eine vom Horoskop unabhängige Beobachtung vorausschicken: Im Gegensatz zu Volker Beck und andere Grünen-Politiker, bei denen man den Eindruck hat, dass sie nicht nur ihre Neigungen zum alleinigen politischen Thema machen, sondern sich auch nur ständig in der  Opferrolle sehen und dabei nichts anderes tun, als ausschließlich ihre ureigenen Interesse  zu politisieren und durchsetzen zu wollen,  sieht es bei Guido Westerwelle ganz anders aus: Er hat sein Liebesleben nie sonderlich thematisiert, geschweige denn seine sexuelle Orientierung zu seinem  politischen Arbeitsinhalten gemacht. Er hat die Homosexualität in den privaten Bereich verortet, ohne diese gleichzeitig zu verstecken.

Wie gesagt, mehrere verschiedene Hinweise im Horoskop konnte ich bislang bei Homosexualität ausmachen. Natürlich heißt das keinesfalls, dass Menschen mit diesen Aspektfiguren offen oder insgeheim homosexuell sein müssen! Diese Konstallationen beschreiben eine gewisse Haltung in Horoskop, was sich unter anderem auch durch Homosexualität ausgelebt werden kann.

  • Von den „Beziehungsplaneten“ stehen Venus und Mars in Konjunktion, so dass sich sich in ihrer Polarität ergänzen, die Gegengeschlechtlichkeit „aufzuheben“ scheinen bzw. sich neutralisieren. Animus trifft Anima und daraus wird etwas Drittes – das ist mein Eindruck bei dieser Konstellation (sowohl bei Männern als auch bei Frauen).
  • Konjunktion von den männlichen Planeten Sonne und Mars (bei Männern).
  • Konjunktion der weiblichen Planeten Mond und Venus, die meist noch in den Zwillingen oder im Wassermann stehen (bei Frauen).
  • Männliche Planeten erscheinen in den Fischen bzw. erscheinen durch Neptun-Aspekte nebulös oder geschwächt (bei Frauen)
  • Pluto-Konjunktion zum Mond und/oder starke Lilith-Aspekte zu weiblichen Planeten (bei Männern).

Zu beachten ist hierbei, dass nie nur eine der o.g. Konstellationen zutrifft, sondern eigentlich immer mehrere, so auch im Horoskop von Westerwelle:

  • Sonne, Mars und Venus bilden eine Konjunktion am MC, was in seinem Horoskop nicht nur ein Hinweis auf beruflichen Ehrgeiz und Entfaltung in der Öffentlichkeit ist, sondern dass er seine Beziehung auch publik machte.
  • Der Mond ist sehr „mächtig“ und tatsächlich haben meiner Beobachtung nach sehr viele homosexuelle Männer eine Mond-Pluto-Konjunktion im Horoskop (als prominentes Beispiel sei hier auch Rudolf Mooshammer zu nennen). Bei Westerwelle kommt noch eine gradgenaue Mond/Lilith-Konjunktion hinzu.

Bezüglich des letzen Punktes könnte man noch die Kindheit Westerwelles und seine Beziehung zur Mutter hinterfragen, die sich hinter dieser Aspektfigur verbergen und die damit das Frauenbild von Westerwelle geprägt haben dürfte. Bekannt ist, dass sich die Eltern scheiden ließen, als Westerwelle ca. 7 Jahre alt war. Westerwelle wuchs mit seinem Bruder – der ebenfalls homosexuell ist – nicht bei der Mutter, wie es in den meisten Fällen üblich ist, sondern beim Vater auf. Lilith, die eine gradgenaue Konjunktion zum Mond bildet, wird nicht selten mit der „dunklen Mutter“ bzw. der „schuldigen“ Mutter in Verbindung gebracht.

Eintreten für Zukunftsvisionen und Reformen

Zweifellos dürfte Westerwelle sein politisches Talent aus früheren Leben mitbekommen haben – zumindest brachte er das Eintreten für Reformen mit und auch den Enthusiamus, für eine Welt einzutreten, die etwas Besseres verspricht: Der absteigende Mondkonoten befindet sich im Wassermann im 11. Haus. Immerhin befindet sich auch Jupiter im Wassermann und im gleichen Haus, auch wenn er zum Mondknoten keine Konjunktion bildet. Zumindest beschreibt diese Konstallation eine Gabe, ja wenn nicht sogar eine Art „Gewohnheit“, für Zukunftsvisionen einzutreten bzw. Missstände anzuprangern. In diesem Zusammenhang mag Westerwelle auch einige Gleichgesinnte gehabt haben, evtl. auch einen großen Freundeskreis. Dass der die Sache möglicherweise sehr ernst nahm, lässt Saturn vermuten, der zwar im Steinbock, aber zu Beginn des 11. Hauses steht.

 

Hier geht es noch zum Kondolenzbuch auf Focus online mit Nachrufen und Eindrücken von seinem Wirken.

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