Tarot

Wenn Fantasien Macht bekommen

Elena Ceaușescu wäre am 7. Januar 2026 110 Jahre alt geworden *). Ihr Werdegang ist ein Paradebeispiel für Sozialismus in seiner destruktivsten Form. Astrologisch zeigt ihr Horoskop einen Idealismus und Zielvorstellungen, die in der Realität kaum erreichbar sind. Doch was geschieht, wenn zu dieser Traumwelt ein rücksichtsloser Wille zur Macht kommt – und Fantasien zur politischen Realität werden?

Elena Ceaușescu wuchs in armen Verhältnissen auf. Sie besuchte lediglich die Grundschule und tat sich dort außerordentlich schwer, hatte erhebliche Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben. Manche Quellen berichten sogar, sie habe erst nach dem Verlassen der Schul lesen gelernt. Dennoch war sie getrieben von Ehrgeiz und Machtstreben – deutlich angezeigt durch ihre Steinbock-Sonne in Opposition zu Pluto. Dass ihr Wille zur Macht dabei jede Logik überging, spiegelt sich auch in ihrer Merkur/Neptun-Opposition: Wunschdenken ersetzte Fakten, innere Bilder wurden zu Wahrheiten. Die Flucht in Traumwelten war kein späteres Phänomen, sondern ein tief verankertes Muster (absteigender Mondknoten in weiter Konjunktion zu Neptun).

Wenn Neptun spricht und Merkur gehorcht

In Bukarest arbeitete sie zunächst in einer Textilfabrik, später als Reinigungsfrau im „Institut für Chemie“. In dieser Zeit entdeckte sie den politischen Untergrund, trat der verbotenen kommunistischen Partei bei – passend zu ihrer Venus im Wassermann in exakter Konjunktion mit Uranus. Noch im selben Jahr lernte sie Nicolae Ceaușescu kennen, einen kompromisslosen Veteranen des linken Widerstands. Zeitzeugen sprechen von mehr als einer Beziehung: eher von einem Pakt auf Augenhöhe (Juno im Skorpion).

1947 wurde König Michael zur Abdankung gezwungen, Rumänien wurde kommunistisch. Nicolae stieg unter Gheorghiu-Dej schnell auf. Elena bekleidete offiziell noch kein hohes Amt, zog jedoch im Hintergrund die Fäden und war dabei eine geschickte Strategin – angezeigt durch Pallas Athene in enger Konjunktion zu Jupiter, im Quadrat zu Lilith.

Nach Gheorghiu-Dejs Tod 1965 wurde Nicolae Generalsekretär. In der Folge begann sich Rumänien von der Sowjetunion zu lösen. Was wir eine Befreiung aussah, entwickelte sich aber zu einer schlimmen Diktatur.  Elenas Einfluss wuchs. Trotz ihrer Bildungsdefizite wurde sie in die „rumänische Akademie“ aufgenommen, wo sie mit Ehrungen und Auszeichnungen überhäuft wurde. Es heißt, sämtliche ihrer angeblichen Dokumente und ihr Lebenslauf wurden in dieser Zeit gefälscht.

1971 reisten die Ceaușescus nach China und Nordkorea. Die perfekt choreografierten Massen hinterließen tiefen Eindruck. Kurz darauf folgten die „Juli-Thesen“: das Ende kultureller Freiheit, totale Kontrolle, Ideologie statt Kompetenz. Elena drängte sich zunehmend ins Rampenlicht. Ihre Bilder wurden retuschiert, sie stilisierte sich zur „Mutter der Nation“, zum Vorbild für Frauen und Kinder.
Die Merkur/Neptun-Opposition zeigte sich nun in voller Entfaltung: Elena wurde dem Volk als brillante Wissenschaftlerin präsentiert, nannte sich fortan „Dr. Ing. Elena Ceaușescu“. 1974 übernahm sie den Vorsitz des Nationalen Rates für Wissenschaft und Technologie – und kontrollierte Budgets, Personal und die Zukunft des Landes.

Wer meint, es ging nicht mehr dreister, sei eines Besseren belehrt: Wissenschaftler mussten sich der Quasi-Analphabetin unterwerfen. Sie wurden gezwungen, ihre eigenen Arbeiten unter Elenas Namen zu veröffentlichen. Wer sich verweigerte, verlor seine Existenz. Schulkinder lernten ihre angeblichen wissenschaftlichen Durchbrüche auswendig. Ihr Gesicht prangte auf Geldscheinen, Schulwänden und Regierungsgebäuden.

Größenwahn als Herrschaftsprinzip

Dem Land ging es immer schlechter.  Während Fleisch, Zucker und Benzin streng rationiert waren und die Menschen für die letzten Kalorien Schlange standen, lebten die Ceaușescus im Überfluss: Kaviar und exotische Früchte; selbst für Elenas Hund wurden Biskuits aus England eingeflogen. Der verpönte Kapitalismus im Ausland sorgte also dafür, dass es den Herrschaften an nichts fehlte.

Ab 1981 kollabierte die Wirtschaft endgültig. Um Auslandsschulden zu tilgen, strich Nicolae lebenswichtige Importe, darunter Lebensmittel und Medikamente. Das Gesundheitssystem brach zusammen. Der Strom wurde rationiert, teilweise gab es nur einmal in der Woche warmes Wasser. Elena leitete nun auch Wissenschaft und Industrie ohne auch nur die Grundlagenwissen zu haben. Ihre Vorstellung war, dass Rumänien alles selbst produziert – von der Landwirtschaft bis zur Pharmazie. Als oberstes Haupt des „Nationalen Rates für Wissenschaft und Technologie“  setzte sie nun Planziele fest, die utopisch waren. Wer die Ziele verfehlte, riskierte Gefängnis oder zumindest öffentliche Demütigung und gesellschaftlichen Abstieg. Parallel wuchs die „Securitate“, die die Rumäniens Geheimpolizei und Nachrichtendienste vereinte, zu einem der dichtesten Überwachungsapparate des Ostblocks. Man konnte jederzeit abgehört werden.

1986 zementierte Elena ihre absolute Machtposition. Sie übernahm jetzt den Vorsitz für „nationale Wissenschaft und Forschung“. Forschungsarbeiten unterschienen unter ihrem Namen, obwohl sie den Inhalt nicht verstand.  Kritik am Regime war mittlerweile ein Todesurteil.

Das Ende der kollektiven Illusion

Doch 1989 geriet der Ostblock ins Wanken. Reformen in Polen, Ungarn und der DDR verstärkten den Druck. In Rumänien reagierte das Regime mit noch mehr Härte. Am 15. Dezember riss der Geduldsfaden einer ganzen Nation: Die Zwangsumsiedlung des regimekritischen Pastors László Tőkés löste Massenproteste aus. Das Militär schoss auf Zivilisten – doch der Aufstand ließ sich nicht mehr aufhalten. Am 20. Dezember Offiziere verweigerten den Gehorsam.

Am 21. Dezember brach Nicolaes letzte Rede im Pfeifkonzert zusammen. Bukarest brannte. Nach dem Tod des Verteidigungsministers Vasile Milea – offiziell Suizid, mutmaßlich Hinrichtung – wandte sich auch die Armee vom Regime ab. Die Ceaușescus versuchten mit dem Hubschrauber zu fliehen, wurden jedoch gefasst.

Aus dem Diktatoren-Ehepaar wurden nun Häftlinge – zwei alte Leute, die in einem engen, nur provisorisch eingerichteten Raum mit vergitterten Fenstern gestoßen wurden. Elena tobte, beschimpfte Offiziere, sah sich weiterhin als Machtzentrum. Nicolae wirkte abwesend. Am 25. Dezember 1989 wurden beide in einem Militärtribunal ohne echte Verteidigung zum Tode verurteilt und sofort erschossen.

Astrologisch markierte die damalige Saturn/Neptun-Konjunktion das Ende einer kollektiven Illusion. Bei Elena stand sie exakt auf ihrer Sonne. Jupiter hatte ihren Pluto überquert – die Vergrößerung der Macht machte den Betrug sichtbar. Die Traumwelt kollabierte endgültig.

Elena Ceaușescu wurde zum Symbol für die Grausamkeit und Arroganz eines totalitären Systems. Ihre Titel wurden posthum aberkannt, ihr Name aus Institutionen entfernt.

*) Zeitweise hat Elena Ceaușescu ihren Jahrgang mit 1919 angegeben, vermutlich weil sie sich damit jünger als ihr Mann machen wollte. Eine Geburtszeit konnte ich leider nicht in Erfahrung bringen, deshalb ist das Horoskop ohne Häuser.

(Foto Elena Ceaușescu: Wikipedia).

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