Astrologie Metaphysik

Narzisstische Familiensysteme, Teil III

Eigentlich wollte ich es bei den ersten beiden Teilen belassen. Da jedoch mir noch einige persönliche Fragen gestellt wurden, folgt hier ein dritter Teil.

In Teil I berichtete ich allgemein über Narzissmus und narzisstische Familiensysteme, in Teil II ging es um die astrologischen Entsprechungen dazu und wie man als so genanntes „Schwarzes Schaf“ oder „Goldenes Kind“ damit umgehen kann.

Bei den Feedbacks dazu taucht eine Frage immer wieder auf – beziehungsweise ein Punkt, der auffallend oft nicht verstanden wird: Warum braucht ein narzisstischer Elternteil ein Sündenbock-Kind? Warum werden Kinder in „Schwarze Schafe“ und „Goldene Kinder“ eingeteilt?

Wie Rollenverteilung in narzisstischen Systemen funkioniert – und wozu braucht es einen Sündenbock?

Ich versuche es einmal klar zu formulieren: Ein narzisstischer Elternteil hat nie gelernt, sich selbst zu reflektieren. Das bedeutet, dass er sich selbst nicht kritisch betrachten kann und unfähig ist, Kritik anzunehmen und Verantwortung für das eigene Verhalten zu übernehmen. Und wer das alles nicht kann, ist zwangsläufig auf Bestätigung von außen angewiesen. Ständiges Lob, Zustimmung und Bewunderung sind dann notwendig, um das eigene Selbstbild überhaupt aufrechtzuerhalten. Das erklärt auch, warum narzisstisch geprägte Menschen so häufig den Mittelpunkt brauchen – nicht aus Eitelkeit allein, sondern aus innerer Instabilität.

Mobbing hat immer einen Drahtzieher

Die Einteilung der Kinder in „gut“ und „schlecht“ ist dabei kein Zufall, sondern ein funktionierendes System. Dieses System sorgt dafür, dass sich die Geschwister nicht solidarisieren – andernfalls könnten sie ja zusammenhalten und eine Allianz bilden – und der narzisstische Elternteil die Kontrolle behält. Gleichzeitig wird die Welt auf ein Schwarz-Weiß-Schema reduziert: Es gibt die „Guten“, die bestätigen und funktionieren – und die „Schlechten“, die alles tragen müssen, was nicht ins eigene Selbstbild passt. Psychologen sprechen in diesem Zusammenhang von „Projektion“, denn alles, was man selbst an sich nicht mag, „erkennt“ man gerne auch bei anderen.

Ein narzisstisch geprägter Elternteil stabilisiert sein Selbstbild, indem er seine eigenen inneren Spannungen und Unzulänglichkeitsgefühle konsequent nach außen verlagert: Das Sündenbock-Kind übernimmt alles „Negative“, während die „goldenen Kinder“ das Idealbild aufrechterhalten (müssen). Auf diese Weise entsteht ein künstliches Gleichgewicht, das vor allem eines verhindert: echte Selbstreflexion und ein gesundes Miteinander.

Und genau deshalb funktioniert dieses System oft so lange – nicht, weil es wahr ist oder gerechtfertigt wäre, sondern weil es für viele Beteiligte bequemer ist, eine Rolle zu spielen, als sich der Realität zu stellen. Zumindest trifft das für die Goldenen Kinder zu; die Schwarzen Schafe sind es häufig, die die Reißleine ziehen oder – wie in meinem Falle – verstoßen werden.

Ein weiterer Punkt, den ich bislang nur am Rande erwähnt habe, ist die Art und Weise, wie soziale Ausgrenzung in solchen Systemen funktioniert – und wie gezielt sie eingesetzt wird. Dies trifft übrigens nicht nur auf narzisstische Familiensysteme zu, sondern auf alle „Systeme“, die funktionieren müssen, wie beispielsweise am Arbeitsplatz, in Schulen, in Vereinen… Und natürlich auch in der Gesellschaft. Wenn also in einem System gezieltes und organisiertes Mobbing vorkommt, dann steckt dahinter meist nur ein einziger Drahtzieher, der es schafft, seine „Enabler“ und „Flying Monkeys“ zu organisieren, die das Spiel mitspielen.

Familienausschluss: Die soziale Hinrichtung

Ich wurde nicht zur Hochzeit meiner Schwester eingeladen. Wer das selbst nicht erlebt hat, unterschätzt oft die Tragweite. Es ist nicht einfach ein Streit oder eine Nachlässigkeit – es ist eine ganz bewusste und perfide Entscheidung, die gleich zwei Funktionen erfüllt: Sie zeigt dem Schwarzen Schaf klar, wer das Sagen hat und wer dazugehören darf oder nicht; und – und das ist besonders heimtückisch – sie dient dazu, die ausgegrenzte Person in der Öffentlichkeit zu delegitimieren und zu diffamieren. Denn wer bei einer so wichtigen Familienfeier nicht eingeladen ist – so das allgemeine Verständnis –, muss ja „etwas Schlimmes“ getan haben. Dass die Weichen für diese Ausgrenzung in der Regel bereits in der frühen Kindheit gestellt wurden, ist vielen nicht klar.

Eine dritte Funktion hat dieses Ausschlussmanöver auch meist noch: Reagiert der/die Betroffene mit Rückzug oder Verärgerung, hat der Rest der Sippe nun erneut die „Bestätigung“, dass es sich um einen schwierigen Menschen handelt und man ja gar nicht so falsch gehandelt hat.

Ähnlich verhielt es sich beim Tod meines Vaters. Ich wurde nicht informiert, einfach übergangen. Nur der Schwager rief mich an. Ein Anruf bei der Frau, die sich meine Mutter nannte, endete im Desaster: Nur wenige Stunden nach seinem Tod – noch am gleichen Abend – wollte sie mir partout nicht sagen, ob ich meinen Vater noch einmal sehen kann und wann die Beerdigung stattfindet (von Trauer übrigens keine Spur). Das Gespräch endete damit, dass sie einfach einhängte – das war stets der ultimative Beweis, wer hier die absolute Befehlsgewalt hat. Denn in dysfunktionalen Familien dienen auch tragische Ereignisse wie Todesfälle nicht etwa als Anlass, näher zusammenzurücken, sondern als Machtinstrument. Den Beerdigungstermin erfuhr ich durch eine empathische Ärztin im Krankenhaus, das ich noch in der gleichen Nacht anrief, und durch das Beerdigungsinstitut.

So konnte ich mich wenigstens von meinem Vater verabschieden. Erwartungsgemäß wurde ich auf der Beerdigung als die „Böse“ behandelt, während sich die Mutter als gutmütiges Opfer inszenierte, das mir jetzt vor allen ganz großzügig anbot, hinterher zu Kaffee und Kuchen zu kommen. Abgestraft wurden auch die beiden Cousinen von mir, weil sie mitbekommen hatten, was vorgefallen war und nun zu mir hielten. Die meisten, die auf der Beerdigung anwesend waren, hatten keine Ahnung. Hier war ich der Störenfried – und genau darin liegt die Strategie des narzisstischen Systems, denn diese Mechanismen haben ein klares Ziel: Die Rollen im System werden stabilisiert und hierzu braucht es einen vermeintlich „Bösen“, damit die anderen sich nicht hinterfragen müssen. Denn sie müssen funktionieren.

Loslassen heißt nicht schweigen

Ich habe in meinen bisherigen Beiträgen oft geschrieben, dass ein Kontaktabbruch notwendig ist, um sich aus solchen Strukturen zu lösen. Das ist auch nach wie vor meine Überzeugung. Was ich jedoch ergänzen möchte: In meinem Fall ging der Bruch nicht von mir aus, sondern ich wurde verstoßen. Eigentlich reichte lediglich ein einziger Akt menschlicher Anständigkeit, um das Fallbeil auf mich runtersausen zu lassen: Ich wurde gemieden, weil ich es gewagt hatte, mit meiner älteren Schwester zu sprechen, die vorher aufgrund Ehescheidung in Ungnade gefallen war. In der Logik einer Narzisstin ist das ein Hochverrat, denn wer mit dem „Feind“ spricht und sich nicht auf ihre Seite schlägt, wird selbst zum Feind – ein klassisches Merkmal hochgradig manipulativer Familiensysteme und etwas, was ich selbst jahrelang am eigenen Leib zu spüren bekommen hatte. Dass meine Schwester und ich drei Monate später unseren Pflichtteil des Erbes eingefordert haben, wurde im Nachhinein natürlich als „Beweis“ herangezogen, dass wir nur hinter dem Geld her waren und nichts anderes zu tun hätten, als die arme Witwe auch noch zu schröpfen.

Dabei ist die Reihenfolge der Geschehnisse ist entscheidend: Erst war der Ausschluss da. Dann wurde ich beim Tod meines Vaters ausgegrenzt. Und schlussendlich ließ meine Mutter in einem Telefonat Anfang Dezember die Maske fallen – wie so oft, wenn sie mit mir allein war und niemand anderer zuhören konnte: Sie erklärte mir, dass sie keinen Wert mehr auf mich legte. Dass ich zwei Tage später in die USA flog interessierte sie auch nicht und sie sagte mir klipp und klar, dass sie mich zum Weihnachtsfest und Neujahr gar nicht sehen wollte – etwas, was mein Vater nie getan hätte. In den folgenden Wochen war Funkstille, auch zu meinem Geburtstag im Februar rief sie nicht an, was allerdings nichts Neues war, denn es war immer der Vater gewesen, der an meinen Geburtstagen persönlich anrief und von ihr Geburtstagsgrüße „ausrichten“ musste.

So war der Pflichtteil meines Erbes nichts anderes als die Wahrnehmung eines rechtmäßigen Anspruchs (und nach dieser Vorgeschichte war mir klar, dass sie mich ohnehin enterben würde) und diente für mich als sauberer Schlussstrich – und für die andere Seite lediglich ein willkommener Anlass, das bereits bestehende Narrativ zu bestätigen. Zuerst provoziert man einen Bruch, mobbt nach allen Regeln der Kunst – und nutzt dann die Reaktion darauf, sich als Opfer darzustellen. Das lautet dann sinngemäß so: Die beiden Schwestern waren nicht mal beim Vater im Krankenhaus (wie denn, wenn wir nicht informiert wurden?!) und jetzt sind sie auch noch hinter dem Geld her. Dabei ist zu ergänzen: Der Pflichtteil ist ein gesetzlich verankertes Recht. Wenn es schon innerhalb der Familie keinerlei Gerechtigkeit gibt, sollte man zumindest die Rechte nutzen, die uns der Gesetzgeber zugesteht.

Helle Zeiten für Schwarze Schafe

Heute ist mir klar: Fällt in einer narzisstischen Familienstruktur eine tragende Säule weg, wie es mein Vater war, ist das ein Systembruch. Alte Spannungen treten offener zutage, Machtverhältnisse verschieben sich und die Strukturen müssen neu definiert werden. Schwarze Schafe oder parentifizierte Kinder sind möglicherweise nicht mehr kontrollierbar, vielleicht sogar gefährlich für den narzisstischen Elternteil und müssen aus dem System entfernt werden.

Übrigens hatte ich bereits als Kind schon immer das Gefühl, dass ich meiner Mutter komplett ausgeliefert sein würde, sollte mal mein Vater nicht mehr da sein. Denn er war es, der noch ein Mindestmaß an Normalität erzwang. Ich bin dem Schicksal dankbar, dass mich der Verlust erst als Erwachsene traf, und mag gar nicht daran denken, wie es mir ergangen wäre, wenn es nicht so gelaufen wäre. Der Gedanke macht mir Angst. In meiner Kindheit gab es mehrere gravierende Vorfälle in seiner Abwesenheit, die das Gefühl verstärken.

So verstehe ich den Familienausschluss nicht als Kündigung meiner Person gegenüber, denn ich habe als normaler Mensch in dieser Familie ohnehin nie existiert. Es ist lediglich die Kündigung eines Werkzeugs, das der narzisstische Elternteil früher brauchte. Und die Rollen im System werden neu verteilt – es gibt womöglich wieder ein neues Schwarzes Schaf, denn der Narzisst braucht Reibung. Die abwesenden Töchter als Feindbilder, über die man sich ablästern kann, reichen da nicht aus aus, denn ein Narzisst bzw. ein narzisstisches System lebt von den Reaktionen und Emotionen der Schwarzen Schafe. Aber das ist jetzt nicht mehr mein Problem.

Wer solche Dynamiken kennt, weiß, dass sie nicht auf einzelne Ereignisse zurückzuführen sind. Es ist ein System, das sich selbst am Leben erhält, indem es Schuld verteilt und Verantwortung vermeidet. Sich daraus zu lösen, bedeutet nicht nur, Abstand zu gewinnen, sondern auch, die eigene Geschichte wieder geradezurücken.

Und warum ich darüber schreibe? Weil mich das Schreiben schon immer frei gemacht hat. Und weil Schweigen der Kitt ist, der nicht nur narzisstische Systeme zusammenhält, sondern auch die Schwarzen Schafe an dieses System immer noch bindet. Ich habe lange geschwiegen – aus Angst, Scham, Anstand und aus der Hoffnung heraus, dass sich das Blatt doch noch zum Besseren wenden könnte.

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